In einem Kommentar zu meinem Artikel „Dell Vostro v131 + Ubuntu 11.10“ wurde ich gefragt, was denn beim Umstieg von Windows auf Ubuntu zu beachten sei. Dabei ging es dem Fragesteller insbesondere um vorinstallierte Tools wie „Dell Webcam Central“ oder „Dell Backup&Recovery“ und andere nützliche Software. Da dieses Thema sehr umfangreich ist, beschreibt dieser Artikel exemplarisch für das Dell Vostro v131 auf was man achten sollte und einige der von mir genutzten Programme.

Installation

Die Installation von Ubuntu ist im ubuntuusers.de-Wiki sehr gut beschrieben. Anzumerken ist folgendes: Da das v131 über kein optisches Laufwerk (CD/DVD) verfügt, muss man zur Installation ein externes Laufwerk oder alternativ einen USB-Stick und den USB-2.0 Anschluss nutzen.

Ich persönlich nutze seit Jahren USB-Sticks zur Installation. Eine Anleitung dazu findet sich recht schnell im Netz.

Einrichtung

Treiber

Wer keine Spezial-Hardware verwendet, muss sich unter Ubuntu meist nicht um Treiber kümmern. Die meisten Komponenten wie Soundkarten, Grafikkarten, Touchpads, … funktionieren direkt nach der Installation.

Nutzt man eine Grafikkarte mit ATI- oder NVidia-Chipsätzen, so wird beim ersten Start die Installation eines proprietären (nicht quelloffenen) Treibers angeboten. Diese ermöglichen z.B. das Spielen von 3D-Spielen und sind derzeit für die Nutzung der Ubuntu-Standard-Oberfläche „Unity“ notwendig. Entscheidet man sich gegen diese Treiber ist lediglich die Nutzung der (effektärmeren) „Unity-2D“-Oberfläche möglich.

Auch so manche WLAN-Karte funktioniert erst nach der Installation eines proprietären Treibers. Wie auch für Grafiktreiber bietet Ubuntu nach dem ersten Start eine einfach Möglichkeit die WLAN-Treiber zu installieren.

Als Nutzer des Dell Vostro v131 interessieren uns solche Probleme jedoch nicht. Bis auf die im Folgenden genannten Ausnahmen müssen wir uns nicht um Treiber kümmern.

Leider gehört z.B. das Fingerabdruck-Lesegerät und die Zusatz-Buttons (rechts oben am Gerät) des v131 zur erwähnten Spezial-Hardware. Aktuell gibt es noch keinen funktionierenden Treiber, mit dem diese sich nutzen lassen.

Software

Während man sich unter Windows zunächst einmal viele Programme, die man tagtäglich benötigt zusammensuchen und installieren muss, kommt Ubuntu mit einer guten Auswahl an bereits installierten Programmen daher.

Office

Das vorinstallierte LibreOffice (eine Weiterentwicklung von OpenOffice) bietet eine gute Alternative zum bekannten Microsoft Office Paket. Sämtliche Funktionen, die ein „normaler“ Benutzer benötigt sind in der kostenlosen und auch für Windows verfügbaren Office-Suite vorhanden. Von Textverarbeitung über Tabellenkalkulation bis hin zu Präsentationen ist alles möglich.

Hält man häufiger Präsentation möchte man u.U. dabei Notizen auf dem Laptopbildschirm anzeigen während über den Beamer die Folien flimmern. Dazu installiert man sich über das Software-Center die Libre/OpenOffice-Erweiterung „presenter-console“

Web

„Ab Werk“ bringt die Ubuntu-Installation den sehr bekannten Browser Firefox mit. Wer statt dessen auf Chrome setzen möchte, muss diesen manuell herunterladen und installieren. Alternativ ist die Basis des Chrome-Browsers „Chromium“ über das Softwarecenter verfügbar.

Kommunikation

Die ebenfalls vorinstallierte und von Mozilla stammende Mailanwendung Thunderbird lässt in meinen Augen keine Wünsche offen. Installiert man zusätzlich die Lightning-Erweiterung, bietet Thunderbird vollen Zugriff auf Mails und Kalender. Meine Konfiguration mittels Google Calendar ermöglicht es mir, meine Termine zwischen mehreren Rechnern sowie meinem SmartPhone einfach und unkompliziert zu synchronisieren. Sollte Thunderbird ganz oder teilweise nicht auf Deutsch erscheinen, wird noch das Paket thunderbird-locale-de benötigt.

Als Chatprogramm eignet sich in meinen Augen „Pidgin“ hervorragend, da es auch für Windows verfügbar ist, und so keine Umstellung bei paralleler Benutzung beider Systeme notwendig ist.

Natürlich ist auch Skype für Ubuntu verfügbar. Es lässt sich einfach über die Skype-Homepage herunterladen und dann via Doppelklick auf die heruntergeladene Datei installieren.

Grafikprogramme/Fotoverwaltung

Die Verwaltung meiner Fotos erledige ich mit Shotwell. Shotwell lässt sich einfach und intuitiv bedienen. Eine Alternative stellt Digikam dar.

Zum Bearbeiten von Fotos und Grafiken nutze ich Gimp. Da Gimp ein wenig Einarbeitungszeit benötigt, eignet es sich nicht unbedingt für absolute Anfänger, jedoch sind im Netz zahlreiche nützliche und leicht nachzuvollziehende Tutorials verfügbar.

Wer eher auf Vektorgrafiken angewiesen ist, sollte sich einmal Inkscape anschauen. Mit Inkscape habe ich bereits zahlreiche Grafiken zum Bedrucken/Beflocken von T-Shirts und Pollovern erstellt. Der Inhaber des Textilgeschäftes meines Vertrauens war stets von der Qualität der Grafiken überrascht.

Musikverwaltung

Banshee oder Rhythmbox?“ Im Endeffekt ist es wohl Geschmackssache. Als großen Vorteil von Rhythmbox sehe ich das Last.fm-Plugin, dass es mir ermöglicht, Radiostationen meiner Last.fm-Sammlung abzuspielen. Somit bin ich nicht auf lokal gespeicherte Musik angewiesen und kann (so fern ich Netzzugang habe) jederzeit meines Lieblingsmusik hören.

Zum Bearbeiten von Musikstücken oder eigenen Aufnahmen eignet sich Audacity hervorragend. Zwar ist auch hier wieder Einarbeitung notwendig, jedoch handelt es sich um ein tolles Tool für jegliche Nachbearbeitung persönlicher Audio-Aufnahmen und bietet einen großes Funktionsumfang.

Videowiedergabe/-bearbeitung

Die unter Windows beliebte und bekannte, Eier-legende Wollmilchsau namens „VLC“ ist auch unter Ubuntu über das Softwarecenter verfügbar. Eine Alternative bietet der bereits vorinstallierte Totem. Möchte man (kopiergeschützte) DVDs schauen, so ist es notwendig, ein kostenpflichtiges Programm wie den Fluendo-DVD-Player zu installieren oder den Kopierschutz zu umgehen. Informationen dazu finden sich im Ubuntuusers-Wiki. Eine persönliche Anmerkung am Rande: Warum zur Hölle ist es illegal meine legal erworbenen DVDs mit einem beliebigen Programm zu schauen?

Zur Bearbeitung und Neukomposition selbst aufgenommener Videos kann ich OpenShot empfehlen. Geht es nur um das Schneiden eines Videos (z.B. das Entfernen von Werbung einer TV-Aufnahme), so bietet sich Avidemux an.

Backup

Seit Ubuntu 11.10 „Oneiric Ocelot“ ist das Backup-Programm meiner Wahl „Déjà Dup“ bereits vorinstalliert. Es ermöglicht die einfache Sicherung beliebiger Daten auf Netzwerkfreigaben, FTP-Server, lokale Platten oder auch den Cloud-Speicherdienst UbuntuOne. Nach einer vollständigen Sicherung werden weitere Backups inkrementell erstellt, was die Menge zu speichernder/übertragener Daten erheblich reduziert.

Weitere Tools

Weitere Programme, die ich (nicht) regelmäßig nutze sind z.B:

  • „Shutter“, zum Erstellen und Bearbeiten von Screenshots. Shutter muss über das „Personal Package Archive“ppa:shutter/ppa installiert werden. Mehr Informationen zu PPAs finden sich im Ubuntuusers.de-Wiki
  • Zum Konvertieren von Sound-Dateien nutze ich „SoundConverter„.
  • Wer einen HP-Drucker nutzt und erweiterte Funktionen wie Fax, Seiteneinzug,… nutzen möchte, sollte sich das „HP Linux Printing and Imaging System“ installieren.
  • Zur Fernwartung der Rechner von Bekannten/Freunden/Arbeitskollegen/… eigenet sich die Freeware „Teamviewer„, die auch in einer Linux-Version verfügbar ist.
  • Wer seine Backup-Daten verschlüsselt auf einer externen Festplatte sichern möchte, ist mit „Truecrypt“ gut bedient.
  • Benötigt man doch einmal Windows, oder möchte man eine andere/neuere Version seiner Lieblingsdistribution testen, bietet „VirtualBox“ eine gute Alternative zur vollständigen Installation an. VirtualBox emuliert einen PC, wodurch sich ein zweites/drittes/viertes System wie ein Programm starten lässt. Mehr Informationen zu diesem weitgehenden Thema findet man, na wo schon, im Ubuntuusers.de-Wiki.

Ein paar Worte zum Schluss

Vieles von dem, was ich in den letzten Jahren über Ubuntu/Linux und verschieden Tools gelernt habe, verdanke ich der engagierten Arbeit zahlloser mir Unbekannter. Mit dieser Seite versuche ich nicht nur, Dinge festzuhalten, die ich andernfalls wieder vergesse, sondern auch, anderen Nutzern und somit der Ubuntu/Linux/OpenSource/whatever-Gemeinschaft zurückzugeben. Gerade dieses Gemeinschafts-Gefühl macht einen großen Teil dessen aus, was mir beim täglichen Arbeiten mit freier und offener Software Freude bereitet.

Solltet dir, unbekannter Leser, ein Tool in der Liste fehlen, oder möchtest du etwas zum bereits Gesagten hinzufügen, dann hinterlasse doch einfach einen Kommentar!

Umstieg auf Ubuntu
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3 Gedanken zu „Umstieg auf Ubuntu

  • Sonntag, der 4. März 2012 um Sonntag, der 4. März 2012
    Permalink

    Hi,

    der Artikel st wirklich klasse. Danke dir fuer deine Muehe, er hilft mir wirklich weiter 🙂

    Gruß!

    Antworten
  • Sonntag, der 10. Februar 2013 um Sonntag, der 10. Februar 2013
    Permalink

    hallo,
    ich brauche dringen profisionelle Hilfe ich habe mir letztens ein asus notebook gekauft mit unbutu vom werk in der regel instaliert er das ja von alleine beim anmachen er versucht es auch aber er bricht es nacher ab kurz nachdem er anfängt die installation zu startet
    ich bin mega am verzweifeln kannst du mir da villt helfen oder so ?
    lg nick

    Antworten
    • Montag, der 11. Februar 2013 um Montag, der 11. Februar 2013
      Permalink

      Hallo Dominik,

      ich biete hier leider keinen persönlichen Support. Du solltest mal in einem Ubuntu-Forum wie bspw. http://forum.ubuntuusers.de/ oder http://www.ubuntu-forum.de/ nachfragen. Dabei solltest du die Regeln des Forums beachten. Dazu gehört z.B. die Frage klar und leserlich (Zeichensetzung etc.) zu stellen. Das dient nicht dazu, dich zu ärgern. Es hilft dir eher, schneller Hilfe zu bekommen.

      Viele Grüße und viel Erfolg,
      Peter

      Antworten

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